Malediven (Teil 1): Als Quizmoderator im Urlaubsparadies

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Heute ist tatsächlich meine Probezeit vorbei. Zeit endlich mal etwas über das Leben auf den Malediven zu schreiben. Seit drei Monaten arbeite ich schließlich schon dort, wo andere Urlaub machen. Jeden Tag unzählige Blautöne, weißer Sandstrand, grüne Palmen vor der Nase. Ein absolutes Traum-Urlaubsziel. 

Sonnenuntergänge wie bei Caspar David Friedrich

Mehrmals täglich fahre ich in meiner rot-weißen Uniform auf der Dhoni, einem traditionellen maledivischen Holzboot, neue Gäste vom Wasserflieger abholen.

Mein neues zu Hause

Kaltes Gesichtstuch, Kokosnuss, Check-In, Inselführung in wahlweise deutsch, englisch, französisch oder spanisch, kurz das Resort und den Bungalow erklären und einen schönen Urlaub wünschen. Willkommen an meinem neuen Arbeitsplatz im Urlaubsparadies.

 

Während ich noch vor einigen Wochen als Backpacker in Neuseeland unterwegs war, betreue ich jetzt eben Gäste auf den Malediven. Schon toll, die Möglichkeit zu haben, immer mal wieder in eine neue Rolle zu schlüpfen. 

Wer mich kennt, weiß dass ich immer gerne Gäste habe – jetzt eben nicht in meiner 62qm großen Wohnung in Hamburg sondern auf einer 600x200m großen Insel im Baa-Atoll.

Lokale Schule auf der Nachbarinsel
Ja, ich arbeite – und Gästebetreuung beim Moonlight BBQ

Hier bin ich 8 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche als Gästebetreuer und Tourguide unterwegs, erkläre in Exkursionsuniform den Gästen das Leben auf den lokalen maledivischen Nachbarinseln, zeige bei der „Führung hinter die Kulissen“ unser Resort von innen oder bin Gastgeber beim nachmittäglichen Willkommenscocktail.

Abends verwandle ich mich je nach Dienstplan mal in einen Quiz- oder einen Karaoke-Moderator, kündige die traditionelle maledivische Bodu-Beru Tanzgruppe an, annonciere den Film unserer Tauchschule oder tanze barfuss am Strand zu „Despacito“. Gästebetreuer auf den Malediven – definitiv ein abwechslungsreicher Job.

 

Manchmal bin ich auch Blumenmädchen

Tatsächlich schleicht sich aber auch beim Leben im Paradies der Alltag ein. Arbeit ist immer noch Arbeit – auch wenn man dabei tagtäglich bei 29 Grad barfuß läuft. (Mama würde jetzt sagen deswegen heißt es ja auch Arbeit und nicht Urlaub)

Tatsächlich hat das Leben auf einer Resortinsel jedoch auch so einige Vorteile, die man in der Routine so schnell als selbstverständlich hinnimmt und nicht mehr zu schätzen weiß.

Delfine vor der Haustür

So muss ich nicht einkaufen, habe jeden Tag ein riesiges Frühstücks-, Mittags- und Abendessen-Buffet, mein Zimmer, dass ich mir mit einer Kollegin aus St. Petersburg teile, wird zweimal die Woche gereinigt, meine Uniform bekomme ich  gewaschen und gebügelt zurück. Klingt nach einer Kombination aus Hotel Mama und einem Leben im Reisekatalog. 

Familie und Freunde an der Wand 🙂

Wie auf der Weltreise fehlen mir hier auf der Inseln jedoch auch meine Freunde und Familie, um die schönen Erlebnisse zu teilen. Liebgewonnene Gäste gehen nach spätestens zwei Wochen wieder. Am Wochenende mal zu einem Shoppingbummel, ins Kino, Theater oder einfach mal in eine andere Stadt – geht hier leider nicht.

Freier Tag unter Wasser

Und eine Insel mit 350 Mitarbeitern – darunter 30 Frauen – ist nicht viel anders als ein Büro. Einmal zu oft mit jemandem essen gehen oder zweimal mit zu oft zusammen um die Insel laufen und schon ist man die potentielle vierte Ehefrau – nicht, dass ich das vorhätte 😉

Was mir am Reisen so gut gefallen hat, waren die vielen neuen Inspirationen und Gedankenanstöße. Auch hier auf der Insel treffe ich noch auf Bandmitglieder, Profi-Fußballer, Marathonläufer, Lebenscoaches und sogar ehemalige Weltreisende.

Schnorcheln mit Manta Rochen

Im Gegensatz zu meiner Reise muss ich jedoch nicht mehr schauen, wo ich am nächsten Tag schlafe und wann der nächste Nachtbus ins Nachbarland fährt. Vor der Arbeit gehe ich joggen, schnorcheln oder am freien Tag ab aufs Boot und mal abtauchen.

 

Sunset-Bar – ein guter Platz zum Nachdenken

Ich bin auf dem besten Weg die vielen Eindrücke meiner Weltreise endlich auch einmal sortiert zu bekommen, wieder im Alltag anzukommen und weiter an meinem Plan für „die Zeit nach der Weltreise“ zu basteln.

Gestern Abend habe ich die Gäste in unsere Hauptbar mit Erfolg mit einem Weltreise-Quiz unterhalten, bei dem es den Ort und die Namen bekannter Monumente zu erraten galt. Ein Großteil der Bilder stammte von meiner eigenen Reise – Mission Eindrücke verarbeiten erfolgreich gestartet – und das sogar mit Beamer und Großbildleinwand.

Mal schauen, was die nächsten drei Monate im Paradies so bringen. Hoffentlich macht die Regenzeit ihrem Namen nicht alle Ehre. Ich halte euch auf dem Laufenden.

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Neuseeland: Roadtrip im Land der langen weißen Wolke

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Ein im Gesicht voll tätowierter Maori bei McDonalds, grüne Teletubby-Hügel, wundervolle Filmkulissen, mehr Schafe als Einwohner und unglaublich freundliche, hilfsbereite und (gast)freundiche Menschen – das und noch viel mehr ist Neuseeland. Für viele ein absolutes Traumreiseziel und für mich das große Finale meiner Weltreise.

Wunderschönes Neuseeland: Land der langen weißen Wolke

Lest hier von rauchenden Vorgärten, Landschaftsschwärmereien und was bei mir letztendlich das Rennen gemacht hat – Nord- oder die Südinsel.

Coffee Shops überall…

Nach 13 Stunden Flug aus Chile lande ich in Auckland, der mit 1,4 Millionen Einwohnern größten Stadt Neuseelands – 1/3 der Bevölkerung lebt hier. Nach so langer Zeit in Mittel- und Südamerika ist es für mich sehr seltsam, wieder in einem Industrieland zu sein.

 

Zurück in der Zivilisation – Bratwurst 🙂

Auf der Haupteinkaufsstraße fahren Maseratis, Ferraris und Lamborghinis spazieren, Leute mit Designertaschen laufen sorgenfrei mit ihrem Smartphone durch die Gegend. Eine ganz andere Realität als in vielen Gegenden Südamerikas.

Besonders Auckland ist noch einmal speziell – viele reiche asiatische Familien finanzieren ihren Kindern ein prestigeträchtiges Auslandsstudium in Auckland – ein wenig wie damals in Vancouver.

Mir ist das egal. Ich möchte so viel wie möglich von der Landschaft sehen.

Wenn man an Neuseeland denkt, hat man dieses Foto im Kopf…
Buffy am 90-Meilen-Strand

Gemeinsam mit CyCy – meiner französischen Arbeitskollegin aus dem Hostel in Montreal – und „Buffy“ unserem umgebauten Honda Odysee geht es für ca. vier Wochen von der Spitze der Nordinsel über die Traumstrände in Coromandel, die Mordor-Filmkulisse für „Herr der Ringe“, die Hauptstadt Wellington und die Weinregion Marlborough bis in die Actionmetropole Queenstown und über die Fjords und den Franz-Josef-Gletscher wieder zurück nach Auckland.

Franz-Josef-Gletscher
Wie im Dinofilm – Riesenfarne

Mein Zwischenfazit – Neuseeland ist unglaublich vielfältig. Im Norden, dem Kap Reinga, markiert ein friesisch anmutender Leuchtturm den (fast) nördlichsten Punkt des Landes. Hier fließen das tasmanische Meer und der Pazifik zusammen. Die Mauri glauben, dass hier die Seelen ihrer Ahnen in die Unendlichkeit eingehen – ein sehr besonderer, mystischer Ort.

Campingplatz in der Nähe des Fox Gletschers

 

Im „Fernen Norden“, wie das Bundesland tatsächlich heißt, warten traumhafte einsame Strände auf uns. Übernachtet wird im Auto auf (teilweise sehr abgelegenen) günstigen Campingplätzen direkt am Meer.

 

Mir gefällt besonders das Frühstück am Stand. Mit Kaffeetasse den wenigen Surfern zuzuschauen, in einsamen Buchten spazieren gehen – I really like.

Schöne verlassene Strände

An jeder Ecke gibt es grüne Hügel und Gelegenheiten zu atemberaubenden Aussichtspunkten zu wandern.

Wir lieben Kauri-Bäume

Unterwegs findet man auch immer wieder eine Desinfektionsstation für Wanderschuhe. Aufgrund der isolierten Lage können schon einige wenige unvorsichtige Wanderer ausreichen, um den bis zu 2000 Jahre alten Kauri-Waldbestand zu gefährden.

Vorbei am 90-Meilen-Strand fahren wir weiter auf die Coromandel-Halbinsel. Dort lerne ich eines der liebsten Hobbies der Neuseeländer (Kiwis) kennen – das Opossum-Überfahren.

Für die Kiwis sind die kleinen Tiere eine Plage und sie sehen es geradezu als Bürgerpflicht an, bei jeder Autofahrt mindestens ein Opossum zu überfahren. Creepy.

Coromandel – Cathedral cove

Auch landschaftlich ist Neuseeland wie nicht von dieser Welt. Im einen Moment fühlt man sich dank der Kalksteinfelsen im Meer wie in Thailand, im nächsten Moment ist man an einem rauchenden Strand.

Vulkane und rauchende Böden

 

Ein paar Stunden weiter wandert man in einem Vulkankrater und fühlt sich dank des vielen Rauches wie in einem Dampfbad.

 

 

Wunderschönes Marlborough

Überall im Land findet man die grünen Teletubbi-Hügel mit unzähligen Schafen und Kühen, in Marlbourough wunderschöne Weinberge und in den Fjordlands von der Eiszeit geformte Täler. Einfach nur spektakulär schön.

Auf dem Weg in die Fjordlands

Fjordlands – Milford sound

Die Städte Neuseelands sind nicht wirklich spektakulär – insbesondere nicht, wenn man wie ich auf historische Architektur steht.

Nichtsdestotrotz fanden wir den „Yes, we can spirit“ des Erdbeben gebeutelten Christchurch und das Nationalmuseum in Wellington sehr interessant.

Erdbeben-Memorial in Christchurch
Ice bar in Queenstown

In Queenstown holt uns leider jedoch schon wieder die Touristenrealität ein – chinesische Souvenirläden, Coffeeshops und Actionsport-geschäfte an jeder Ecke. Willkommen in der Adrenalin-Hauptstadt Neuseelands.

Ich lasse mich mitreißen und erfülle mir einen weiteren meiner großen Wünsche – einmal Paragliden. Es erinnert mich ein wenig an das Tauchen – nicht so actionreich, aber man komplett abschalten und genießen.

Paragliding über Queenstown
Geysire in Rotorua

Bevor es wieder zurück nach Auckland geht, machen wir noch einen Abstecher in den Hexenkessel Rotorua, eine Stadt in einer geologisch sehr aktiven Zone. Überall in den Vorgärten dampft es und die großen Geysire erinnern mich an Bilder von Island. Spektakulär.

Kiwi (Foto aus dem Museum – der echte war zu dunkel)
Größter, jemals gefangener Tintenfisch in Wellington

Fast am Ende der Reise bekomme ich endlich auch den Nationalvogel zu sehen, der den Einheimischen und der Frucht den Namen gab. Der nachtaktive Kiwi ist wirklich ein lustiges Tier – wie zwei große Eier auf überdimensionalen Beinen.

Als ich abends noch auf eine Maori-Show eingeladen werde, ist der Tag perfekt. Die traditionellen Tänze wie der „Haka“ und das über Dampf zubereitete Essen begeistern mich für die Kultur. Wie viele Volksstämme haben sich auch die Maori an die westliche Lebensweise angepasst, jedoch gibt es überall im Land verstreut Zentren, in denen die Traditionen lebendig gehalten werden.

Mauri cultural performance
Mauri Holzschnitzereien

Aotearoa, das Land der langen weißen Wolke, hat mich als Besucher in seinen Bann gezogen und ich fliege mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück nach Deutschland. Ich habe noch einiges auf meiner Neuseeland-To-Do-Liste und hoffe irgendwann wieder-zukommen. Mir hat übrigens die Nordinsel besser gefallen. Ist jedoch Geschmackssache.

Allerdings reicht es mir erst einmal mit dem Vagabunden-Leben und ich möchte wieder länger an einem Ort sein. Dieser Ort wird – zumindest für das nächste Jahr – eine Resort-Insel Malediven sein. Seid gespannt auf tolle Berichte vom Tauchen, Schnorcheln und dem ganz normalen Touristenwahnsinn.

Zum Abschluss gibts noch einmal ein paar meiner unzähligen Fotos dieses schönen Landes:

Ältestes Holzhaus von NZ
Ältestes Steinhaus von NZ
Umziehen in NZ
Whangarai Wasserfälle

Chile: Mit Handgepäck durch Patagonien

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Wenn du dich mit der Frage ob „O“ oder „W“ beschäftigst, freiwillig bei -3 Grad draußen zeltest und dich über eine warme Dusche wie ein Schneekönig freust, dann bist du wahrscheinlich in der Wildnis Patagoniens gelandet. Interessant wird es, wenn du das Ganze – wie wir – völlig unvorbereitet angehst.

Lest hier wie man den Nationalpark Torres del Paine nur mit Handgepäck überlebt und wofür wir nachts um 3 Uhr in den Anden Schlange stehen mussten.

Wunderschöne Natur und bewegte Geschichte in Chile

Unser Weg nach Santiago de Chile 

Ich kann im Bus nicht schlafen – da hätte ich noch vor meiner Weltreise gesagt. Nach meinem x-ten Nachtbus geht mittlerweile alles. Fast alles – eine Grenzüberquerung mitten in der Nacht durch die verschneiten Anden ist dann doch nicht so wirklich optimal zum Schlafen. Zum Glück war dies mein letzter Nachtbus für diese Reise. Nachdem wir um 3 Uhr morgens nach der Passkontrolle auch noch alle vorbildlich in Reih und Glied unsere Gepäckstücke durch den Scanner geschoben haben, der Bus vom Drogen- und Obst!!!spürhund gecheckt wurde, geht es endlich weiter nach Santiago de Chile.

Sightseeing und Museumsbesuch in Santiago de Chile

Santiago entpuppt sich als eine überraschenderweise sehr untouristische Stadt. Ein paar alte, von Erdbeben verschonte Gebäude, viele Museen, ein paar Hipster-Viertel und Sehenswürdigkeiten für 2-3 Tage – alles fußläufig zu erreichen. Wäre für mich als Student sicher damals ganz nett gewesen hier ein Auslandssemester zu machen und mehr über das Land, die Geschichte und Mentalität der Chilenen zu lernen. (Offensichtlich sind die Chilenen jedoch die Deutschen Südamerikas.) Ich freue mich schon Santiago nach unserem Patagonien-Trip etwas näher kennenzulernen.

Denkmal für die Spanischen Seefahrer

Patagonien

Von meiner Reisebegleitung Alex hatte ich schon gehört, dass Patagonien jetzt nicht mal eben ein kurzer Sonntagsausflug ist und gepäckmäßig ein wenig Vorbereitung benötigt. Prima – denn mein Reisegepäck besteht im Wesentlichen nur noch aus Shorts, Tops, einer Jeans, einer Leggins und zwei Sweatjacken. Meine wärmste Jacke – die Regenjacke, die ich mir nach über unserem Raubüberfall zwangsweise zulegen musste.

Wenig warme Klamotten heißt auch wenig Gepäck – also perfekt, um ein paar Pesos zu sparen und nur mit Handgepäck loszureißen – dachte ich.

Pinguine auf der Isla Madgalena

In Punta Arena angekommen, haben wir Glück, die allerletzten Pinguine auf der Isla Madgalena antreffen zu können.

Pinguine auf der Isla Magdalena

Als wir bei schaukelnder See, Sturm und Regen die durchlöcherte Insel betreten, machen sich bereits 15 weitere Tiere auf den Wegs ins warme Brasilien – ich kanns ihnen nicht verdenken. Schon nach 3 Minuten sind wir dank des peitschenden Regens nass bis auf die Unterhose und frieren wir Hulle. Also müssen definitiv neue Klamotten her – It’s shopping time!

Mit Daunen-Jacke und unzähligen neuen Thermo-Klamotten ausgestattet, geht es los in Richtung des Torres del Paine Nationalparks – auf zur großen Wanderung.

Nationalpark Torres del Paine – der „W-Trek“

“O” oder “W” – also die große oder die kleine Runde – 8 oder 4 Tage im Chilenischen Herbst.

Foto: https://toraadventure.wordpress.com/2014/11/13/torres-del-paine-hiking-the-o-circuit-day-434/

Aus Zeitgründen (natürlich nur deswegen :-P) haben wir uns diesmal für das „W“ entschieden.

Erste Nacht auf dem W-Trek

Übernachtet wird im Zelt, denn eine Übernachtung im Mehrbettzimmer in einer der wenigen Berghütten kostet mal eben 95 USD pro Person und Nacht. Allerdings gönnen wir uns die abendlichen Dreigangmenüs der Restaurants. Gut so, denn jeder von uns könnte nach den anstrengenden Tageswanderungen mit 14-15 kg Gepäck locker eine ganze Kuh vertilgen. 

Lago und Gletscher Grey und der „Toblerone“ Berg

Die nächsten Tage wandern wir vorbei an wunderschönen Bergseen, gefrorenen Steinstränden, verzauberten Märchenwäldern und genießen atemberaubende Panoramen. Allerdings begegnen uns auch zahlreiche abgebrannte Bäume – ein Tourist hatte vor einigen Jahren durch Unachtsamkeit einen Waldbrand ausgelöst und einen großen Teil des Nationalparks vernichtet.

Wunderschöne Landschaftsbilder

Am Torres del Paine Bergsee angekommen, sind wir stolz und happy, es geschafft zu haben: 4 Tage, zahlreiche Kilometer mit Gepäck auf dem Rücken – Well done girls. 

Am Ziel angekommen – Las Torres

Mit mehr Vorbereitung und bei wärmeren Temperaturen hätten wir sicherlich auch das „O“ geschafft. Jetzt bin ich allerdings nur happy meinen Muskelkater im warmen Santiago de Chile auszukurieren.

In Santiago selbst treibt es mich bis auf einige Museum- und Restaurantbesuche allerdings kaum aus dem zugegebenermaßen sehr gemütlichen Hostel – irgendwie bin ich etwas reisemüde. Knapp 5 Monate Südamerika waren für mich genug und ich freue mich jetzt schon riesig auf Neuseeland – das letzte Land meiner Weltreise.

Uruguay und Argentinien: Von Vegetarier-Rassismus, Häuserimporten und angetrunkenen Radfahrern

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„Du darfst in unserem Land alles sein, jede Religion haben, Männer oder Frauen lieben – da sind wir tolerant. Nur eins darfst du auf keinen Fall – Vegetarier sein! Das schadet unserer Wirtschaft“.

Klingt dramatisch, aber ein wenig kann ich unseren Guide in Montevideo schon verstehen. Das kleine Land Uruguay hat mittlerweile den großen Nachbarn Argentinien als einer der größten Rindfleischproduzenten überholt und ist absolut abhängig von diesen Wirtschaftszweig.

Mir soll’s recht sein. Während es in Bolivien fast nur Fisch oder Hühnchen gab, freue ich mich nun auf großartige Steaks, leckeren Wein und noch dazu treffe ich meine Freunde Linda, Peter und Kade wieder. Lest hier über unsere Zeit in Montevideo, Colonia de Sacramento, Buenos Aires und Mendoza.

Wunderbarer Sonnenuntergang in Uruguay

Uruguay

Als ich letztes Jahr losgereist bin, hatte nicht auch nur im Traum daran gedacht, dass ich mal für ein paar Tage nach Uruguay reisen würde. Schon jetzt zieht es mich irgendwie zurück und ich möchte irgendwann das Land für längere Zeit bereisen.

Palacio Salvo – das Schwestergebäude steht mitten in Buenos Aires. Ursprünglicher Plan: Man kann sich sehen, wenn man auf der Spitze steht. Hat nicht so ganz funktioniert…

Als ich selbst noch in Rio unterwegs war, tourten meine Nachtbus-Freunde Peter und Kade bereits die Küste Uruguays hinunter und schickten mir natürlich regelmäßig Neidisch-Bilder von traumhaften, verlassenen Stränden, saftig grünen Hügeln, wilden Küstenlandschaften und Meeresalgen, die im Dunkeln leuchten. Ich konnte es kaum abwarten, endlich selbst nach Uruguay zu kommen.

Colonia de Sacramento

Es hat sich definitiv gelohnt. Bereits die Hauptstadt Montevideo und Colonia de Sacramento haben bei mir schon gereicht, um mich für das Land zu begeistern. Alles wirkt entspannt, aufgeräumt und müßiggängig – perfekt nach der aufwühlenden Zeit in Rio.

Romantische Atmosphäre
Charmantes Colonia de Sacramento

Als großes Finale bevor es für uns nach Argentinien gehen sollte, präsentierte Uruguay uns noch einmal einen der schönsten Sonnenuntergänge meiner Reise. Hahhhhhhhh. 

Leider legte am nächste Tag schon die Fähre nach Buenos Aires ab. Och nö – ich bin doch immer noch seekrank!

Argentinien

Politik in Argentinien – ist ein großes Thema

Während in Bolivien ein Großteil der Bevölkerung indigenen Gruppen angehört und die Bevölkerung im Einwanderungsland Uruguay sowieso sehr gemischt ist, besitzen eine Vielzahl der Argentinier italienische Wurzeln. Deshalb trifft man in Buenos Aires auch viele lebensfrohe, leidenschaftliche und sehr kommunikative Menschen, die mit absolut jedem Körperteil kommunizieren können – ganz die Italiener. Auch spielt Essen in Argentinien eine große Rolle und es gibt – vor allem für Fleischesser – unzählige gute Restaurants :-).

Architekturmix in Buenos Aires

Als architekturbegeisterter Europäer musste ich die Gebäude in Buenos Aires einfach lieben. Alles fühlt sich an als wäre man in Paris, London und auch ein kleines bisschen wie in Hamburg – in jedem Straßenzug findet man gefühlt eine andere europäische Großstadt wieder. Das ist auch nicht ohne Grund so. Da es früher als schick galt, etwas Europäisches zu haben, wurden von den damals sehr wohlhabenden Argentiniern kurzerhand eben Brunnen, Säulen und ganze Häuserfassaden aus Europa importiert. Wenn in Buenos Aires also etwas französisch aussieht, ist es das mit hoher Sicherheit auch.

Modernes Buenos Aires

Dank Kades super Kontakte konnten wir mit einem Freund von ihr einen Tag lang die Stadt mit dem Rad erkunden und hierdurch deutlich die große Vielfalt der Stadt kennengelernt. Während einige Gegenden super schick und modern sind, kämpfen andere noch mit den Folgen der Rezession vor wenigen Jahren. Der Peso ist weiterhin relativ instabil und in vielen Ecken der Stadt gibt es geduldete Schwarzmärkte zum Devisentausch. Die meisten Preise für Touristen werden in USD angegeben.

Trotzdem ist die Stadt absolut sehens- und erlebenswert. Gerne wären wir noch länger in Buenos Aires geblieben statt nach Mendoza weiterzureisen. 

La Recoleta – unglaublich beeindruckender Friedhof auf dem sich auch das Grab von Evita befindet

Offensichtlich sind Linda und ich beide etwas verwöhnt von den wunderschönen Chateaus, traumhaften Weinstraßen und dem Flair der französischen Weinregionen, die wir beide schon zur Genüge besucht haben, sodass uns die Bike&Wine Tour in Maipu – dem Weindorf in der Nähe des sehr industriellen Mendozas – leider nicht so mitgerissen hat.

Wine Tour in Maipu (Mendoza)

Bei dicken Wolken, holprigen staubigen Straßen und knapp vorbeirasenden LKWs und Autos will nicht wirklich Genießer-Stimmung aufkommen. Olivenöl und ein paar Gläser Rotwein probieren und dann zurück nach Mendoza. Linda und ich sind uns einig – schon toll, was wir in Europa alles haben.

Schon geht es weiter in mein letztes Land in Südamerika – Chile. Freut euch auf großartige Bilder aus Patagonien. Und natürlich nehmen wir mal wieder nicht das Flugzeug nach Santiago de Chile – letzter Nachtbus unserer Reise – here we come!

Brasilien: Von spektakulären Wasserfällen, zu Hause in der Ferne und Paranoia in Rio

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Weltweit läuft gerade der Kinofilm „Die Schöne und das Biest“ an. Genau das war für mich Brasilien. Einerseits wunderschön mit traumhafter Natur wie den Iguazu-Wasserfällen, atemberaubenden Stränden, toller Jahrhunderwende-Architektur, fantasievoller Street-Art. Ein Land voller Geschichte, Vielfalt und interessanter Menschen. Andererseits war – insbesondere nach dem bewaffneten Überfall in Kolumbien – eine ganze Woche alleine in Rio für mich eine echte Challenge. 

Lest hier, wie es ist, einen Tag Fotomodel in Rio zu sein, warum ich im Süden tatsächlich für eine Brasilianerin gehalten wurde und wie man einigermaßen trocken durch die Iguazu-Wasserfälle kommt.

Unterwegs in Rio de Janeiro mit Newton Leitão von Further Rio (photos by Newton)

Soll ich, soll ich nicht? Soll ich – okay ich machs und reise alleine nach Brasilien. Allerdings bin ich quasi gerade auf der anderen Seite des Kontinents – in San Pedro de Atacama (Chile) – fast 2.000 Kilometer entfernt. Routentechnisch mal wieder unglaublich schlau Fräulein Weltenbummel.

Foto by Newton Leitão

Von kolumbianischen Billig-Airlines verwöhnt, möchte ich mich natürlich gleich in den Flieger setzen. Beim Blick auf SkyScanner stelle ich aber fest, dass man günstiger von Deutschland nach Rio kommt als von Santiago de Chile. Also müssen mal wieder die geliebten Nachtbusse her.

Von San Pedro de Atacama aus geht es also über Salta in Argentinien, Asuncion in Paraguay nach Foz do Iguazu in Brasilien. Für europäische Verhältnisse ist das etwa so als wäre man gerade in Berlin, überlegt sich spontan mit dem Bus nach Madrid zu fahren und noch einen kleinen Abstecher in Zürich zu machen, da es ja auf der Strecke liegt.

Aber wer kann schon von sich behaupten mal in Paraguay gewesen zu sein? Schon nach einem Tag in der Hauptstadt kann ich verstehen, warum es so viele Deutsche hierherzog. Auch ich habe mich irgendwie sofort wohl gefühlt.

IGUAZU WASSERFÄLLE

An der Grenze von Paraguay nach Brasilien lerne ich Kade und Peter kennen – zwei großartige, entspannte Deutsche. Wie sich herausstellen wird, sind wir uns super sympathisch und werden später noch einige Zeit gemeinsam in Uruguay und Argentinien reisen. Zunächst erkunden wir jedoch erst einmal gemeinsam die argentinische Seite der Iguazu-Wasserfälle. Ich bin unglaublich beeindruckt von der Kulisse – diese Wassermassen im brasilianischen Regenwald.

Iguazu Wasserfälle von der argentinischen Seite

Trotz Seekrankheit möchte ich das volle Programm – mit dem Boot unter die Wasserfälle. 

Für alle, die das noch vor haben – ihr werdet wirklich NASS – und das bis auf die Unterhose !!!! Vergesst eure Regenjacke – dieser Wasserfall hat absolut nichts mit Regen zu tun. Mein Tipp: Sportklamotten an, Bikini drunter und Wechselklamotten mitnehmen.

FLORIPA – DER SCHÖNSTE ORT DER WELT

Florianopolis mit Gui – das erste Mal leckeres Acai-Eis gegessen

Nachdem ich von mehreren Brasilianern bereits gehört hatte, dass Florianopolis der schönste Ort der Welt sei, wollte ich unbedingt der Einladung meines brasilianischen Kumpels Gui dorthin folgen.

Bei ihm und seinem Vermieter Django fühlt ich mich sofort wie zu Hause – im Grünen, Pferde direkt vor der Tür und ein wunderschönes weitläufiges Haus, die Traumstrände mit dem Moped schnell erreichbar. Ein echter Traumort!

Danke dir Gui vielmals für deine Gastfreundschaft und dass du mir deine Heimat mit so viel Hingabe gezeigt hast.

EINE INTENSIVE WOCHE IN RIO DE JANEIRO

Während ich in Florianopolis wegen der vielen Deutschen Einwanderer (die deutschen Siedlungen Blumenau und Pommerod sind nur 3 Stunden mit dem Bus entfernt) auf Portugiesisch noch gefragt wurde, ob ich denn Brasilianerin sei, wurde ich in Rio ständig einfach nur angestarrt. Stempel Tourist – das war klar. Die vielen Warnungen insbesondere von Brasilianern verunsicherten mich nach meinem Überfall in Kolumbien nochmal zusätzlich. Mit Paranoia alleine nach Rio – spitzenklasse 🙂

Alleine in Rio unterwegs – Foto by Newton Leitão

Ums kurz zu machen – ich habe Rio überlegt – ohne überfallen und ausgeraubt zu werden.

Sightseeing in Rio – Photo by Newton Leitão

Wie ich dieses Wunder vollbracht habe? Ich habe meine Kronjuwelen und teuren Designer-Backpacker-Klamotten im Hostel gelassen (;-P), mein iPhone hatte ich ja eh nicht mehr, bin nicht sehr viel alleine rumgelaufen und habe im Wesentlichen zusammen mit anderen Touristen auf Free Walking Touren die wunderschönen Seiten von Rio wie das historische Künstlerviertel Santa Teresa, Downtown und die Hafencity erkundet.

Wie in Kanada und den USA wird mir auch mal wieder bewusste, wie sehr der amerikanische Kontinent von Einwanderung, Sklaverei und Unabhängigkeits- kämpfen geprägt war.

Unser Guide erklärt, dass bis 1880 mehr als 3 Millionen Sklaven aus Afrika „importiert“, anschließend in so genannten „Futterhäusern“ aufgepäppelt wurden, bevor sie auf Auktionen nach ganz Brasilien verkauft wurden. Im heute noch „schwärzesten“ Viertel ganz Brasiliens zeigt der Guide uns ein solches Haus und ebenfalls den Marktplatz für die Auktionen.

Gesichter von Rio – Graffitis für die Olympischen Spiele – Photo by Newton Leitão

Beim Besuch in Santa Teresa streifen wir ein wunderschönes Anwesen, reich verziert mit importierten Fließen und Statuen – einen Bruch stellen die Gitterstäbe im Keller dar – sie dienten dazu die Unterkunft der Haussklaven zu sichern. Heute befindet sich hier ein Kunstatelier.

Diese Tour löst bei mir wirklich Gänsehaut aus – direkt vor Ort zu sein ist doch noch einmal etwas anderes, als alles nur aus dem Geschichtsbuch zu lernen.

Jetzt bin ich schon einige Tage in Rio – dennoch fühle ich mich immer noch nicht sicher, alleine durch die Stadt zu laufen. Sei es die Paranoia, wieder mit einer Waffe bedroht zu werden oder dass ich seit Längerem mal wieder ohne Reisebegleitung unterwegs bin. Egal – Morgen möchte ich einfach nur unbeschwert die Stadt genießen – und das zusammen mit Newton von Further Rio.

Vielleicht werde ich doch noch Ballerina – photo by Newton Leitão

Er organisiert personalisierte Touren und begleitet diese mit seiner Kamera. Dank ihm habe ich jetzt wunderschöne Bilder vor den großartigsten Sehenswürdigkeiten  und einen Tag voller schöner Erinnerungen an diese Stadt. Ich kann diese Tour nur absolut weiterempfehlen!

Die Strände von Ipanema und Copacabana erkunden – Photo by Newton Leitão
Rio mit Newton Leitão erkunden – im Hintergrund: die Christusstatue
Kapuzineräffchen im Bambus-Wald auf dem Zuckerhut – photo by Newton Leitão
Cable car am Zuckerhut – photo by Newton Leitão
Photo by Newton Leitão
Photo by Newton Leitão
Photo by Newton Leitão

Nach dieser emotionalen Zeit in Rio freue ich mich jetzt wirklich darauf Peter und Kade in Montevideo (Uruguay) wiederzutreffen und danach mit meiner Freundin Linda aus Hamburg weiter durch Argentinien und Chile zu reisen. Ist doch schöner, Erlebnisse mit lieben Menschen gemeinsam erleben zu können.

Im Zwiespalt mit Bolivien: Atemberaubende Landschaft, Dynamit und Grumpy Cat

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Vom Titicaca-See bis zur Salar Uyuni begegnen einen ständig neue Traumlandschaften: Geysire, Salzwüsten, Vulkane, farbige Lagunen, schwimmende Dörfer aber auch alte spanische Kolonialarchitektur und abenteuerliche Zugfriedhöfe.

Trotz des Reichtums an Naturschönheiten und Bodenschätzen ist Bolivien weiterhin das ärmste Land Südamerikas – 40% leben sogar in extremer Armut. Hauptwirtschaftszweig ist nach wie vor der Export von Erdöl, Erdgas und Abbauprodukten wie Silber und Erz durch die staatlich geführte Energiegesellschaft. Tourismus spielt (noch) eine eher geringe Rolle.

Lest hier, warum ich auf einem Markt Dynamit gekauft, wo Salvador Dali geklaut hat und warum ich mich zu meinem 30. Geburtstag selbst in die Wüste schickte.

Salzwüste, Dali Landschaft, pinke Seen, Geysire, Minen und der Titicaca See (Danke an Vicky for das Foto oben in der Mitte)

Schon seit mir mein Ex-Freund damals immer wieder von Bolivien – der Salar Uyuni und Atacama-Wüste – vorgeschwärmte, wollte ich dort hin. Ich hatte mich auf eine großartige Zeit in Bolivien gefreut. Doch es kam erstmal anders.

ISLA DEL SOL, URURO UND SUCRE

Doch bereits auf der Isla del Sol stellte sich heraus, dass man als Tourist hier offensichtlich nicht so willkommen ist. Aus einem Restaurant werden wir nach 25 Minuten verjagt, weil wir mit Whatsapp offensichtlich zu viel WiFi konsumieren.

Trotzdem ganz schön – Lago Titicaca

In Copacabana wurde es als ungewöhnlich empfunden, dass ich um 8 Uhr morgens in meinem Privatzimmer duschen und Zähne putzen wollte – da muss man ja das Wasser anstellen. Beim Karneval in Ururo werde ich angeschnauzt, wie lange ich denn gedenke noch dort zu sitzen – es sei ganz schön eng. Bolivien wurde 2013 zum touristenunfreundlichsten Land gewählt, 2015 war es immer noch auf Platz 100. Kann ein wenig verstehen warum.

Allerdings habe ich auch andere Bolivianer kennengelernt. So werde ich von Juan und Miriam (zwei Busbekanntschaften) aus La Paz spontan eingeladen mit zum Lama-Essen zu kommen.

Rechts: Häuser in La Paz (El Alto)- sehen unfertig aus, aber dort wohnen Menschen
Unten: Sucre, Lama Dinner und Karneval

Nach der langen Busfahrt haben sie Hunger und wollen deftig essen bevor sie sich ins Karnevals-Getümmel stürzen.

Die Karnevalsparade in Ururo ist ein wenig wie die Umzüge in den Metropolen in Deutschland – Blaskapellen, Funkenmariechen – zwischendurch ungewöhnliche Tänze und Kostüme der vielen indigenen Einwohner des „Estado Plurinacional de Bolivia“ (mit ca 50% der größte Anteil indigener Gruppen in ganz Südamerika).

Mit dem Nachtbus geht es für mich nach wenigen Stunden weiter nach Sucre – die schönste Stadt Boliviens. Allerdings ist an Karneval alles geschlossen – es fahren keine Busse und als alleinreisende Touristin wird man ständig mit unreinen Wasserbomben beworfen und aus dem Auto heraus mit festhaftenden Konfetti-Sprays besprüht. Ich hatte mir das hier wirklich anders vorgestellt und habe momentan keinen Humor dafür – dafür sind mir in diesem Land zu viele Läuse über die Leber gelaufen.

POTOSI – UNTERWEGS IN EINER AKTIVEN SILBERMINE

Am Aschermittwoch kann ich dann endlich weiterreisen nach Potosi – der Schatzkammer Boliviens. Ich möchte kennenlernen, wie hier gearbeitet wird – wie die Spanische Krone damals ihre Silberschätze bekommen hat. Ich war noch nie in einem aktiven Bergwerk und ja, man kann sicher darüber diskutieren, ob diese Tour jetzt Spannertourismus ist oder nicht. Wir jedenfalls kaufen Geschenke für die Kumpel – Limo, Wasser, Koka-Blätter und Dynamit.

Cerro Rico (Reicher Berg), Loren zum Transport von Steinen und ich als Sprengmeister mit Dynamit

Unter Tage habe ich das Gefühl mir bleibt die Luft weg – Potosi liegt auf 4.100 Metern und unter Tage ist es dunkel, eng und dreckig. Ich bin definitiv zu groß für diese Minen. Die wenigen Kumpel, die wir (nach Karneval) unter Tage treffen, haben bereits mit 14 angefangen zu arbeiten und sind deutlich kompakter. Unsere Guides erzählen, dass viele schon im frühen Alter an Krankheiten wie Staublunge leiden und früh versterben. Aktuell arbeiten noch ca. 12.000 Bergleute im Cerro Rico – jährlich sterben mindestens 50 noch vor ihrem 55 Geburtstag.

Eingang der Mine, Gänge, Silberadern, Steine mit Silber und ein Arbeiter, der von Hand die Steine vom Silber trennt

Mit Meißel, Hammer und Spitzhacke (in Ausnahmefällen auch mit Bosch-Bohrern) werden Löcher links und rechts entlang der Silberadern in den Felsen getrieben, je 1/3 Stange Dynamit eingeführt und päng – ein ca. 1 Meter großes Loch ist entstanden. Der Bergmann wartet einige Stunden ab bevor er mit der Hand das Silber vom wertlosen Gestein wegmeißelt. Eine mühsame Arbeit. Auf dem Rücken transportiert er dann ca. 20-30 KG Silbergestein durch die engen Gänge nach draußen und verkauft es an sein Konsortium.

Den ganzen Tag ernährt er sich nur von Coca-Blättern – Essen würde im Stollen zu sehr verunreinigt. Vor jedem Gang in den Berg bekreuzigt man sich vor dem Altar und bringt dem „Tio“ – dem Beschützer der Bergleute – Geschenke.

Der Tio (Onkle) – Beschützer der Minenarbeiter mit einem riesigen Penis – Machotum unter Tage (Dekoration ist nur für Karneval)

Für mich war in dem aktiven Berg zu sein eine bedrückende Erfahrung – die Männer aus Potosi haben kaum eine Wahl – andere Arbeit gibt es hier nicht. Noch etwa 7 Jahre reicht der Vorrat an Silber im Cerro Rico aus. Danach wartet schon ein anderer Berg auf sie.

SALAR UYUNI NACH SAN PEDRO DE ATACAMA

Meinen 30. Geburtstag wollte ich wie letztes Jahr zu etwas ganz besonderem machen – nur dass ich in diesem Jahr nicht in Hong Kong mit meinen lieben Freunden Anne und Ricky, sondern in Bolivien feiere.

Wunderschöne Landschaften auf der Tour von Uyuni nach San Pedro de Atacama

Diesmal geht es mit dem Jeep vier Tage von Uyuni, über den Eisenbahnfriedhof, zur berühmten Salzwüste Salar Uyuni, durch wunderschöne Vulkanlandschaften, vorbei an Geysiren, Steppen mit Picunias, Wiesen mit Alpakas nach San Pedro de Atacama.

Zugfriedhof – Sieht aus wie ein GNTM Fotoshooting-Set
Es geht tatsächlich ein Bus durch die Salar Uyuni, um Dörfer zu verbingen…Da alles geflutet war, sind wir durchs Wasser gefahren, um zum Ralley Dakar Denkmal zu kommen
Lustige Perspektiven-Bilder in der Salar Uyuni

Das schönste Erlebnis der gesamten Tour war in der letzten Nacht bei völliger Dunkelheit in einer der natürlichen Hot-Springs zu liegen und über uns die Milchstraße und einige Sternschnuppen zu sehen. Ein großartiges Geburtstagsgeschenk an mich selbst!

Den Baum kenn ich doch irgendwo her – Inspirationsquelle für Salvador Dali

Noch ca. 6 Wochen habe ich in Südamerika – am 15.04. geht mein Flug ab Santiago de Chile nach Neuseeland. Da ich jedoch gerne noch die Iguazu Wasserfälle sehen und meinen ehemaligen Arbeitskollegen Gui in Florianopolis besuchen möchte, werde ich jetzt eine Speedy-Reisephase einlegen, um dann wieder entspannter weiterzureisen.

Da der Flug von San Pedro de Atacama nach Iguazu mehr kostet als ein Hin-und Rückflug von Rio nach Deutschland geht es für mich erst einmal mehrere Tage mit unzähligen Bussen von San Pedro in Chile, über Salta in Argentinien nach Paraguay und von dort aus weiter nach Foz de Iguazu in Brasilien. Durch 4 Länder in einer Woche – eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist schön…:-)

Peru: Von Coca, Inkas und (leckeren) Alpakas

For English version please click here.

Wie schmeckt Alpaka? Wie viel kostet ein gegrilltes Meerschweinchen? Wie kommen wir am günstigsten zum Machu Picchu? Ist die Inka-Kultur wirklich so alt wie man denkt? Und was ziehe ich nur für eine Wanderung auf 5.100 Meter an?

Peru – für mich überraschend, fordernd und für nur knapp zwei Wochen unglaublich vielfältig. Lest über unsere Zeit in Lima, Cusco, Machu Picchu und auf dem Rainbow Mountain.

 

Peru - Machu Pichu, Alpakas and colorful patterns
Peru – Machu Pichu, Alpakas und wunderschöne farbenfrohe Muster

LIMA

Schönes Wetter trotz Regenzeit, entspannte Atmosphäre in unserem Stadtteil Barranco, moderne Einkaufswelt in Miraflores – wir liebten Lima mit seiner kulinarischen Vielfalt, den vielen tanzenden Peruanern auf den Straßen, seinem leckeren originalen Pisco Sour und einigen der bisher schönsten Sonnenuntergänge auf meiner Reise.

Ich war unglaublich überrascht so etwas in Peru zu finden – Lima ist eine Stadt in der ich mich sofort zu Hause gefühlt habe – genau das richtige für uns nach 35 Stunden Nachtbus aus Ecuador.

Amazing sunset in Lima
Wunderbare Sonnenuntergänge in Lima
Artsy paintings - spotted at the free walking tour
Streetart – entdeckt auf der Free Walking Tour
Altstadt von Lima & originales Pisco Sour Rezept - mit Eiweiß
Altstadt von Lima & originales Pisco Sour Rezept – mit Eiweiß

CUSCO

Lima nach Cusco – mal wieder 20 Stunden Nachtbus oder 2,5 Stunden Flug für nur 30 € mehr? Die Entscheidung fiel uns nicht schwer… Wir fliegen. Während wir noch am Gepäckband warten, bleibt uns merklich die Luft weg und der Kopf dröhnt – offensichtlich nicht so ohne von Meereshöhe direkt auf 3.416 Meter zu fliegen. Alex hat vorgesorgt und wir schmeißen wir uns gleich die ersten Coca-Blätter ein – hilft bei mir seltsamerweise sofort.

Während Lima eher Ibiza-Sommer-Feeling war, ist Cusco deutscher Herbst. Es ist kalt, früh dunkel, regnet Bindfäden und noch dazu wird an jeder Ecke gehupt was das Zeug hält. Schnell ab ins Bett und hoffen, dass der neue Tag wird besser.

Gegrilltes Meerschweinchen - sieht schon gruselig aus
Gegrilltes Meerschweinchen – sieht schon gruselig aus

Auf der kostenlosen Walking-Tour entpuppt sich Cusco als Perle der Spanischen Kolonialzeit – für die Touristen auf Hochglanz poliert.

An jeder Ecke finden sich Restaurants in denen der zahlungskräftige Besucher gegrilltes Meerschweinchen (Spanisch: Cuy) probieren kann – ein kleines Tierchen für fast 20 € – nicht gerade unser Backpacker-Budget. (Wir haben es ein paar Tage später tatsächlich woanders für 5€ bekommen)

 

MACHU PICCHU

Peru ist Machu Picchu – auch wir wollen dort hin. Nach 1,5 Tagen Recherche haben wir endlich einen für uns bezahlbaren Weg gefunden.

Nach 7 Stunden Fahrt mit dem Kleinbus kommen wir in Hydroelectrica – einem Wasserkraftwerk inmitten des Peruanischen Dschungels an. Danach nur noch 3 Stunden durch das Andental entlang der Bahnschienen wandern und schon sind wir in Aguas Calientes – auch Machu Picchu Dorf genannt. Bei der Ankunft fühle ich mich wie ein Wanderer auf dem Jakobsweg, der in Santiago de Compostela ankommt – müde, aber glücklich.

 

Machu Picchu
Machu Picchu – Weg nach Agua Calientes, Machu Picchu Ruinen und Machu Picchu Mountain auf über 3000 Metern

 

Um den Machu Picchu Moutain zu besteigen, werden Einlasszeiten vergeben – unsere Aufstiegszeit ist von 7-8 Uhr. Deshalb geht es schon um 4 Uhr los – 1,5 Stunden ungleiche Stufen steil den Berg hinauf bis zu den Ruinen von Machu Picchu und weitere 2 Stunden bis zum Aussichtspunkt auf dem Machu Picchu Berg auf über 3,000 Metern – ich bin ganz schön am Pumpen. Natürlich kann man eine Teilstrecke auch mit dem Bus fahren – allerdings sparen wir uns die 12 USD je 20 Minuten Busfahrt.

Während die meisten Besucher mit einer geführten Tour 2-3 Stunden durch die Ruinen hetzen, wollen wir unsere 60 USD Eintrittsgebühr voll auskosten und die besondere Atmosphäre genießen. Wir legen uns abseits der Touristenströme auf eine der mit Gras bewachsenen Terassen und lassen unsere vom Wandern nassen Klamotten in der warmen Höhensonne trocknen.

Erst anschließend erkunden wir die verwinkelte Ruinenstadt, die erst um 1400 n.Chr. von den Inkas gebaut wurde. Irgendwie hatte ich das alles gedanklich viel früher eingeordnet.

RAINBOW MOUNTAIN UND RED VALLEY

Panaoramic view to red valley
Panorama ins Red Valley

Wieder in Cusco angekommen weiß ich endlich, warum ich seit Alaska meine Handschuhe mit mir herumtrage.  Heute brauche ich sie wieder, denn es geht zum Rainbow-Mountain – einem 5.100 Meter hohen Berg ca. 3 Fahrtstunden von Cusco entfernt.

Rainbow mountain
Rainbow mountain

Nachdem ich jetzt schon 3 Tage Wandern hinter mir habe und auch gerne mal wieder reiten möchte, miete ich mir spontan ein Pferd – was natürlich von meinem zwei superfitten mitreisenden Jungs nicht unkommentiert bleibt. Am Gipfel angekommen erwarten uns viele frierende und vom Wandern in der Höhe völlig erschöpfte Argentinier und Chilenen – und natürlich ein farbenfroher Berg.

Erst seit ca. einem halben Jahr ist dieses Naturschauspiel für Touristen zugänglich. Glück gehabt.

Nach ein paar Fotos gehen alle anderen den gleichen Weg zurück. Durch einen Tipp in unserem Hostel haben wir unsere Tour mit der Agentur „Destiny Peru“ in Cusco gebucht. Mit nur 7 Leuten nehmen wir den Rückweg durchs Red Valley – ein Talabstieg durch eine Landschaft wie im Bilderbuch.

Beautiful countryside with delicious wild Alpakas
Wunderschöne Landschaft und wilde Alpaka-Herden

Vorbei an saftig grünen Wiesen, kleinen Farmen und wilden Alpaka-Herden (Alpaka ist übrigens verdammt lecker – schmeckt ein wenig wie Lamm). Drei Stunden Abstieg, die es in sich haben. Schon von den vorherigen Tagen habe ich einen riesigen Muskelkater und bewege mich wie ein Roboter-Mensch. Zähne zusammenbeißen und durchhalten. Es hat sich gelohnt. Eines der schönsten Erlebnisse meiner Reise.

Nach dem vielen Wandern geht es für uns – mal wieder mit dem Nachtbus – zum Titicacasee – dem höchsten befahrbaren See der Welt. Hoffentlich nicht schon wieder wandern.