Calgary: Land unter in Cowboy Town

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In der Dusche in Taiwan haben wir uns Anfang des Jahres kennengelernt und jetzt verbringe ich eine Woche in Calgary mit Carrie und ihrer Familie.

Als Cowboy- und Öltown bekannt, ist die Hauptstadt der Provinz Albertas so ganz anders als das sehr europäische Montréal. Erst 1875 gegründet ist Calgary eine eigentlich noch sehr junge Stadt (Gründung Hamburg bspw. 500 n. Chr.) – das Territorium war ursprünglich Gebiet der Blackfoot-Indianer.

Viel Geschichte im Calgary heritage village
Viel Geschichte im Calgary Heritage Village

Mit der Besiedlung Nordamerikas erreichten immer mehr Europäer mit Zügen die ursprüngliche Prärie und ließen sich als Farmer, Viehzüchter und Cowboys nieder. Jedes Jahr im Sommer lässt Calgary diese Tradition durch die Stampede, ein 4tägiges Westernspektakel mit Rodeo-Wettbewerben wieder aufleben. Schade, dass ich das um ein paar Wochen verpasst habe.

Mit dem Fund von riesigen Ölvorkommen wurde die Cowboy-Stadt Calgary 1940 schlagartig zur Ölzentrum Kanadas – überall in der Innenstadt sieht man riesige Skyscraper von BP, Shell, Exxon Mobil und mir bisher unbekannten Mineralölkonzernen wie Husky in die Höhe schießen. Trotz Wirtschaftskrise (Kanadas Wirtschaft leidet sehr unter dem niedrigen Ölpreis) wird weiter gebaut. Die Kanadier sagen, dass es nur 2 Jahreszeiten gibt: Winter und Bausaison.

Divers Calgary
Vielfältiges Calgary

Ein cleveres überirdisches Tunnelsystem verbindet die meisten Gebäude in der Innenstadt miteinander – praktisch gegen den saukalten kanadischen Winter.

So ganz bin ich mit der Stadt nicht warm geworden – allerdings ist sie ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für Ausflüge in den ca. 100 km entfernten Banff-Nationalpark – mein nächstes Ziel.

Großartige Gastgeber - Carries Familie
Großartige Gastgeber – Carries Familie

Dank Carrie und ihrer tollen ursprünglichen chinesischen Familie habe ich mich in Cowboytown allerdings sehr wohl gefühlt. Wer schon einmal chinesische Gastfreundschaft genossen hat weiß, dass diese Erlebnisse unbezahlbar sind. Danke an Carrie und Familie Leung für eine tolle, familiäre Woche in Calgary.

Ach ja, warum Land unter – leider hatten wir in der Woche einen Wasserrohrbruch mit Kellerüberflutung – damit hatte ich auf meiner Reise wirklich nicht gerechnet.

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Raus aus dem Lagerkoller nach Québec City und Ottawa

Und, wo kommst du her? Meine reiseerfahrenen Freunde haben mich schon gewarnt – auf einer längeren Reise mag man irgendwann diese Frage nicht mehr hören.

Während ich in der ersten Hostel-Arbeitswoche noch Spaß daran hatte, neue Leute kennenzulernen und abends rauszugehen, habe ich mich in der zweiten Woche nach der Arbeit trotz Bombenwetter immer mehr zurückgezogen, viel gelesen, Filme geschaut und – mag mag es kaum glauben – kaum mehr gelächelt. Wasn da los? Nun, offensichtlich habe ich einen Lagerkoller…

Bereits nach China hatte ich dieses Gefühl schon einmal – schlecht drauf und ohne Grund genervt von allem Möglichen. Ich brauchte offensichtlich wieder mal einen Kulissenwechsel!!! Damals bin ich zum Yoga&Meditations-Retreat auf die Philippinen geflogen. Das wäre jetzt wohl ein wenig zu weit.

Also geht es in meiner letzten Woche im kanadischen Osten nach dem Frühstücksdienst im Hostel für mich nach Québec und Ottawa – mal raus aus der Stadt, mal wieder Tourist sein, in einem Restaurant zu Abend essen statt in der Hostelküche neue Ankömmlinge nach ihrer Lebensgeschichte auszufragen.

Tolle Natur in Québec City
Tolle Natur in Québec City

Mit 2-3 Stunden Busfahrt sind beide Städte von Montréal aus gut in einer Tagestour zu erreichen.

Als einzige befestigte Stadt Nordamerikas hat Québec einen sehr europäischen Charme und kommt mir mit den robusten dunklen Kalksteinhäusern vor wie eine Mischung aus dem Best-Of französischer und englischer Spätmittelalterstädte. Wie in Montréal findet man auch hier wieder viele kleine Cafés, traditionelle québecoise Restaurants und es gibt wieder diese tolle „Draussenkultur“, die mir in Asien oft gefehlt hat.

Allerdings muss ich in Québec alle meine Bestellungen immer mehrmals wiederholen – das in Québec gesprochene Französisch ist doch nochmal ein anderer Schnack als das Pariser Hochfranzösisch und klingt sehr Englisch angehaucht. Québequoise war damals natürlich nicht Bestandteil unseres Lehrplans 🙂

Québec City
Québec City – zweisprachige Straßenschilder, weiterer Blick übers Wasser und das meist fotografierte Hotel Kanadas – Château Frontenac

Mit einer Mischung aus Natur, traditionellem Baustil und einem weiten Blick aufs Wasser hat mir mein Kurzbesuch in Québec sichtlich gut getan und ich kann wieder lächeln. Bin gespannt auf den Regierungssitz Ottawa am Donnerstag – sicherlich frage ich danach erstmal alle Neuankömmlinge im Hostel woher sie kommen…:-)

Am Samstag ist die Zeit in Montréal dann auch schon zu Ende und ich ziehe weiter Richtung Westen nach Calgary. Dort erwartet mich die süße Carrie, die ich in der Hosteldusche in Taipeh kennengelernt habe. Man sieht sich offensichtlich doch immer zweimal 🙂

Kanada: Niagarafälle, Toronto und mein neues Zuhause auf Zeit – Montréal

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Ich habe mir für die zweite Hälfte meiner Reise vorgenommen etwas langsamer zu reisen. Deswegen bin ich jetzt erst einmal längere Zeit in Kanada und die nächsten 3 Wochen in der Auberge Alexandrie – einem Hostel im Montréaler Schwulenviertel.

Für 2-3 Stunden Arbeit am Tag (Frühstück machen, an der Rezeption helfen, Bettwäsche bügeln und falten) kann ich kostenlos hier wohnen. Eine tolle Atmosphäre gibt’s gratis dazu. Jeden Morgen werde ich von allen meinen Kollegen liebevoll gedrückt. Da vermisst man seine Freunde und Familie zu Hause noch viel mehr als sonst…:-)

Street Art in Montréal
Street Art in Montréal
Generell fühle ich mich in Montréal jedoch schon etwas  wie in einem Sommercamp – jeden Tag eine andere Aktivität zu der meine Hostel Kollegen unsere Gäste (und auch mich) führen: Trommel-Festival am Mont Royal (dem königlichen Berg), Salsa Nacht, Grill-Abend, Feuerwerk-Weltmeisterschaft – Montréal im Sommer ist großartig.

Erst kürzlich habe ich gelesen, dass Kanada zum zweit-lebenswertesten Land der Welt gewählt wurde – kurz hinter Deutschland. Wenn ich mir meinen Reiseplan so anschaue war eigentlich gar nicht geplant nach Kanada zu kommen – momentan ist es allerdings für mich schwer mir vorzustellen, dass ich in weniger als zwei Wochen Montréal schon wieder verlassen werde.

In einem Blogeintrag heißt es in Montréal zu sein ist wie eine Date mit einer multiplen Persönlichkeit zu haben. Warum? Die Außenwände kleiner französischer Cafés werden hier mit großflächigen Graffitis im Bronx-Style verziert. Neben bretonischen Steinhäusern (die ich in Frankreich noch so bewundert habe) stehen New York Style Apartments mit nach außen gerichteten Feuerleitern flankiert von Hotels im Pariser Stil und britischer Kolonialarchitektur. Ein Augenschmaus für jemanden wie mich 🙂

Montréal - Mein vielfältiges neues Zuhause auf Zeit
Montréal – Mein vielfältiges neues Zuhause auf Zeit
Ich bin nach Kanada gekommen, weil ich auf der ersten Hälfte meiner Reise so unglaublich viele großartige, weltoffene und sympathische Kanadier kennengelernt habe – und auch hier werde ich nicht enttäuscht.

Überall kommt man schnell mit den Einheimischen ins Gespräch – die Familiengeschichten quer über den Globus verteilt. So wird der Beauty-Tag in Toronto zur Weltreise – erst Haare schneiden beim Japaner, Maniküre bei einer Nepali und danach Lebensmittel einkaufen in Greek-Town. Ich freue mich mehr von diesem vielfältigen Land kennenzulernen – insbesondere noch mehr Natur zu sehen.

Niagarafälle - ein feuchtes Vergnügen
Niagarafälle – ein feuchtes Vergnügen
Für die nächsten zwei Wochen werde ich mal schauen, ob ich vielleicht auch noch einen bezahlten Kellner-Job bekomme (ganz schön schwierig, da man perfekt in Englisch und Französisch sein muss). Ich werde berichten…Soweit schöne Grüße vom zweitbesten ins beste Land der Welt – Deutschland 🙂