Bist du Buddhist? Nein, Tourist. Mit den Öffis durch Sri Lanka…

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Ich weiß nicht wie es euch geht – aber mir kommt es so vor, als wäre jeder meiner Freunde entweder schon in Sri Lanka gewesen oder plant den nächsten Urlaub dorthin. Nach dem Ende des Bürgerkriegs 2009 wird das Land voller Tempel, Elefanten und nahezu unbegrenzten Wanderwegen vor allem von abenteuerlustigen Rucksacktouristen oder als Zwischenstop auf dem Weg nach Indien oder die Malediven besucht.

Momentan herrscht im ganzen Land wieder der Ausnahmezustand. So trügerisch ist die Backpacker-Teeplantagen-Idylle. Lest hier, warum ich in Sri Lanka zum Transport-Snob mutiere, Homestays doch nicht so übel sind und wo man mit Sir Thomas Lipton ein Tässchen Tee trinken kann.

Sri Lanka – das Land der Tempel, Teefelder und Elefanten

Als Vielreisender sollte ich es mittlerweile eigentlich gewöhnt sein, Uber zu benutzen. Aber irgendwie bin ich bei demGanzen snapchat, Uber & co. noch nicht angekommen. Mein Gehirn läuft noch auf Insel-Modus. Kaum verwunderlich also, dass ich total begeistert bin, als mein Freund mit dem ich drei Wochen in Sri Lanka unterwegs sein werde, am Flughafen mal schnell eine SIM-Karte kauft und einen Uber-Fahrer bestellt, der uns für ein paar Euro direkt ins Fünf-Sterne-Hotel Cinnamon Red bringt.

Nach neun Monaten Im Doppelzimmer auf den Malediven freue ich mich einfach mal auf ein wenig Luxus – wenigstens zum Start unserer Rundreise. Eine richtige warme, kuschlige Decke im Bett, eine Wasserfall-Dusche und eine Tapas-Bar auf der Dachterrasse im 26. Stock mit Blick über die Stadt – einfach nur wow.

Colombo: Temples, Hochhäuser und eine Bauchtanz-Show

Unsere Route steht fest – um meiner Reisebegleitung einen Tauchgang zum Geburtstag zu ermöglichen, reisen wir antizyklisch zu den meisten Backpackern zuerst in Richtung Süden zur ehemaligen Portugiesenfestung nach Gaulle und anschließend zum Tauchen in den Strandort nach Unawatuna.

Unsere Reiseroute

Begeistert von den Gerüchten über günstige Zugpreise und gut ausgebauten Schinennetzen denken wir gar nicht daran, irgendetwas im Voraus zu buchen. Ab zum Schalter, Ticket kaufen und auf dem Weg nach Gaulle drei Stunden die wunderschöne Küste vorbeiziehen lassen – soweit der Plan.

Als guter Deutscher ist man natürlich rechtzeitig am Gleis im Bahnhof Colombo Fort. Nun, man sollte definitiv stutzig werden, wenn der Zug in Sri Lanka 15 Minuten früher kommt, alle Bleichgesichter außer mir am Gleis stehen bleiben und das Innere doch eher einem Gütertransport ähnelt als einem “scenic train ride”.

Offensichtlich habe ich mich in all der Hitze und Vorfreude von den vielen sich bewegenden Menschen mitreißen lassen. Zum Glück sagt einem das gute alte Bauchgefühl dann doch, dass irgendwas nicht stimmt, wenn der angebliche bei Touristen beliebte Langstreckenzug gefüllt mit dicht an dicht stehenden Sri Lankischen Arbeitern (und uns), plötzlich durch heruntergekommene Vororte von Colombo rauscht. Mist verdammter, das kann doch nicht der richtige Zug sein.

Ohne die Zugnummer oder unseren Standort zu kennen, springen wir bei der nächsten Gelegenheit aus dem Zug und in die nächste Bahn Richtung Colombo Fort. Gerade noch rechtzeitig, um uns mit den anderen, sich jetzt endlich bewegenden französischen, deutschen und holländischen Backpacker in den Zug – hoffentlich jetzt Richtung Gaulle – zu quetschen. Zum Glück habe ich den Großteil meines Gepäcks in Colombo gelagert – mit Koffer, Gitarre & Co. hätte die ganze Nummer sicher ein paar Minuten länger gedauert.

In den drei nächsten drei Stunden stehend in sengender Hitze habe ich ausreichend Zeit zu überlegen, wie die Menschen im Nachbarabteil wohl an ihre Sitzplätze gekommen sind…Vielleicht gibt es irgendwo sogar eine Klimaanlage – hach ja, die schönen Tagträume…

Spending a day in Gaulle
Ein Tag in Gaulle

Gaulle selbst ist nicht so spektakulär. Ein völlig überteuerter, in blütenweiß für Touristen aufgerüschter Küstenort mit netten Festungsresten. Also schnell weiter mit dem TukTuk ins benachbarte Unawatuna.

Geburtstags-Wrack-Tauchgang

Dort gleicht die Strandpromenade gleicht ein wenig den Touristenhochburgen in Thailand – Tauchshop an Italienischem Restaurant benachbart von mehreren Souvenirshops. Als krasser Kontrast – unser Hotel “Nature Villa”, ein echtes verstecktes Pool-Paradies – perfekt, um den Geburtstag meines Freundes angemessen zu feiern.

Und – aufgrund der guten touristischen Infrastruktur hatten wir natürlich kein Problem ein tolles Tauchcenter für einen Geburtstags-Wrack-Tauchgang zu finden – der Auftakt für einen tollen Urlaub.

Jemand ist sehr glücklich über die wilden Elefanten in Udawalawa

Am nächsten Tag geht es mit drei lokalen Bussen (mit kurzweiliger Sri Lankischer Bandunterhaltung auf den TV-Screens) weiter zu meinen absoluten Highlight – Elefanten im Udawalawa Nationalpark. In unserer kleinen versteckten Privatunterkunft “City-In Safari Resort” überschüttete uns der Eigentümer  geradezu mit seiner unglaublichen Gastfreundschaft. Mama kochte traditionelles Sri lankisches Frühstück und ein atemberaubendes Best-of-Curry Abendessen. Die private Nationalpark-Tour war für mich das absolute Highlight der Reise!

Lipton Seat

In Homestays geübt verbrachten wir noch zwei Nächte im für mich eisig kalten Haputale, um die Teeplantagen rund um den Liptons Seat und die 1890 von Sir Thomas Lipton gegründete Teefabrik kennenzulernen. Für mich super interessant wie viele Schritte es vom aufwendigen Pflücken noch braucht, bis der Tee in den Beutel kann…

 

Nine Arch Bridge in Ella

Da wir etwas lauffaul waren, haben wir die nächste Station Ella sagen wir mal wegen der wunderschönen Zufahrt und der 9-Arch-Bridge angefahren und das Trekking zum (Little) Adams Peak – naja – ausgelassen. Ja, ich weiß, ich verpasse was, wenn ich mal wieder nicht nachts um drei Uhr müde, murrig und im Dunkeln den Berg hochlaufe, um den Sonnenaufgang zu sehen. Ihr könnt dieses Abenteuer ja gerne in eurem Urlaub nachholen – ich hatte in meinem jedenfalls keinen Lust dazu.

Spannender hingegen fand ich den berühmten buddhistischen Höhlentempel von Dambulla – ein wirklich einzigartiger Platz mit einer ganz besonderen Atmosphäre.

Tempel in Dambulla

Um wenigsten ein bisschen sportlich aktiv zu sein, erkundeten wir den gigantischen Tempelpark im spirituellen Zentrum Anuradhapura auf dem Drahtesel – nicht wissend, dass an diesem Tag der Sri Lankische Nationalfeiertag begangen wurde. Überall weiß gekleidete betende oder meditierende Besucher, die Opfergaben in die Tempel bringen. Einfach nur unglaublich diese Zeremonien zu beobachten.

Anuradhapura

Letztendlich haben wir auch noch die beiden Strandorte Trincomalee und das nahe am Flughafen gelegene Negombo getestet. In Trinco konnten haben uns insbesondere der farbenfrohe Hindu-Tempel und die mitten in der Stadt grasenden Rehe tolle Fotomotive geliefert. Auch wenn die Bilder nicht so aussehen – nächste Mal würde ich dann aber doch lieber in der Trockenzeit dorthin 🙂

Wunderschöner Hindu-Tempel in Trinco

Trotz seiner Vielfalt war Sri Lanka jetzt nicht unbedingt mein Lieblingsreiseland – insbesondere in Kandy machte mir der überall präsente Staub sehr zu schaffen. Aber macht euch gerne selbst einen Eindruck- für mich wären die drei Wochen absolut ausreichend, um von Insel- auf Reisemodus umzuschalten. Ab gehts ins nächste Abenteuer nach Australien…

Ach ja, ich habe doch noch rausgefunden, wie man klimatisierte Sitzplätze in Zügen bucht.
Bei Bedarf einfach 1-2 Stunden Zeit mitbringen, 2 Tage vorher die 45 Buchungsschritten ausführen und du hast einen Sitzplatz. Hoffe das österreichische Paar mit dem Riesenstreit im Zug von Haputhale nach Ella hat die Website auch noch vor ihrer Trennung entdeckt…

Das wars von mir und Sri Lanka – und nein, auch wenn ich am Nationalfeiertag in weiß gekleidet Tempel besuche – ich bin kein Buddhist – nur ein neugieriger, abenteuerlustiger Tourist…

 

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